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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Umbra So Jul 03 2016, 20:01

Jim würdigte Terry im Moment keines Blickes mehr. Die Schlichtheit dieses Kindskopfs war schwer zu ertragen. Jim war zwar daran gewöhnt, dass er sich von Idioten umzingelt sah, allerdings war er gerade nicht in der Stimmung dafür, unendliche Geduld an den Tag zu legen. Sein Schädel dröhnte unangenehm, und das war nicht nur dem Kater zu verdanken. Die Wunde an seiner Braue pochte im Takt seines Herzens.
„Gift bleibt Gift, egal, was ich für einen Segen darüber spreche“, knurrte Father O’Reilly deswegen genervt, als der Mexikaner ihn darum ersuchte, den Geisterwhiskey zu segnen.
„Selbst wenn es echter Whiskey wäre, würde er dir außerdem wenig dabei helfen, nicht zu verdursten. Wir müssen bald einen Ausweg aus diesem Trugbild finden, sonst wird das ein übles Ende für uns nehmen“, meinte Jim düster.
„Ich bete lieber für unser Seelenheil als dafür, dass euch dieses Zeug gut bekommen wird.“
Er blieb bei seiner Überzeugung, den Whiskey als Falle anzusehen. Alkohol in geselliger Runde würde sie nur entspannen und davon ablenken, wie bedrohlich diese Situation eigentlich war. Die Täuschung war das Metier der Schlange. Jim würde sich nicht in falsche Sicherheit einlullen lassen.
Während der Mexikaner versuchen wollte, in den Keller zu kommen, stromerte Jim zur Bar zurück. Der Wirt war nicht gerade erfreut, den Gottesmann wieder zwischen den zahlenden Herumtreibern zu sehen, die sich amüsieren oder ihren Kummer ertränken wollten.
Sich davon nicht abschreckend lassend, schaffte Jim sich Platz. Statt sich etwas zu bestellen, wollte er etwas Anderes vom Wirt:
„Sag mir, Freund: Wie kommt es, dass an so einem abgeschiedenen Fleckchen so viel los ist?“, interessierte ihn zu erfahren. „Mich wundert es überhaupt, dass es sich lohnt, hier einen Saloon zu betreiben. Machen dir die Indianer keinen Ärger?“



Dayton sah Nachdenklichkeit im Gesicht des schon älteren englischen Erfinders.
„Was Sie da sagen, hat durchaus Hand und Fuß, junger Mann“, erwiderte er dann geduldig, „allerdings bin ich genau hier bereits an der Stelle, an der die Nadel am wildesten ausschlägt. Ich fürchte, ich kann Ihnen leider nicht sagen, ob das Gerät andernorts ebenfalls diese… Störungen ausweisen würde. Ich habe mich im Hotel nebenan einquartiert und es erst da das erste Mal eingeschaltet, nachdem ich mir sicher war, ein Test würde die die Schaltkreise nicht überlasten.“
Etwas Resignation lag in seiner Stimme, bevor er kurz in ein überlegendes Schweigen verfiel.
„Nun, gewiss könnte die Quelle auch direkt unter den Dielen sein, oder über uns. Aber… ähem…“
Dem Mann schoss etwas Schamesröte ins Gesicht.
„Ich würde es bevorzugen, mich von den Zimmern der… äh, Damen fernzuhalten.“



Pezosas Plan ging auf. Fluchend, weil er wohl nicht erfreut war, gestört zu werden, wandte sich der schwächliche Gringo zu ihm um, als Pezosa ihm auf die Schulter tippte. Die Dame, die den Mexikaner hatte näherkommen sehen, lächelte Pezosa in diesem Moment lasziv entgegen, als dieser auch schon mit einem schnellen Ruck seines harten Schädels den Fremden zu Boden schickte. Die Saloondame konnte einen Laut der Überraschung nicht unterdrücken, während der Getroffene schlaff und dumpf wie ein Kartoffelsack auf den Dielen aufkam.
Das war genug, um einige Leute in der Nähe auf das Geschehen aufmerksam zu machen. Pezosa hörte Stühle rücken.
„He, Amigo!“, schnauzte ihn ein unrasierter Cowboy an, der für Pezosa Bier und Karten liegenließ und sich vor ihm aufbaute. Er war nicht allein. Ein Kreis von Männern bildete sich um den Mexikaner. Muskeln spannten sich, Fäuste ballten sich.
„Hast dich zu weit in den Norden verirrt, du Eselficker!“, schnarrte der Cowboy mit breitem, beinahe von diabolischer Vorfreude triefendem Grinsen.
„Weißt wohl nicht, dass der Marshal was für jeden fetttriefenden Mexikanerskalp springen lässt, hä? Bist zwar nur halb so viel wert wie ne Rothaut“, meinte er schulterzuckend und zog geräuschvoll die Nase hoch, „aber macht nichts.“[1]

[1] Pezosa:
Einen Wahrnehmungswurf (Initiative), bitte. Du kannst das als Kampfbeginn betrachten. Wenn du 5 übertriffst, siehst du dem Typ rechtzeitig an, dass er vorhat, dich zu schlagen und kannst ihm zuvorkommen. Du kannst dein Talent „Killerinstinkt“ hier anwenden. Wenn dein Ergebnis +5 oder weniger ist, einmal Verteidigung gegen +3, bitte, und dann bist du dran. Der Typ zielt mit der Faust in dein Gesicht.

alle anderen:
Dass Ärger in der Luft liegt, entgeht euch spätestens dann nicht mehr, wenn die Fäuste fliegen.


Zuletzt von Umbra am So Jul 03 2016, 23:15 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Darnamur So Jul 03 2016, 22:09

Noemi stierte auf die sich leerende Whiskeyflasche und goss sich weiterhin nach. Ihr braunes Auge glänzte fiebrig. In eigenartiger Gleichgültigkeit beobachtete sie Terry, den Ausbruch des Priesters, wie sich der Mexikaner und der Gekuttete vom Tisch entfernten. Sie fühlte sich nicht einbezogen, als würde sie nur ein Bühnenstück bewundern. Ihr Auge streifte über den Tisch und bohrte sich in Terry, der als Letzter noch bei ihr verweilt war. Sie könnte mir ihm reden, aber welche Diskussion wollte sie mit diesem Kerl überhaupt führen. Sie wollte ihn nicht wegen seines Verhaltens belehren, sie wollte ihn auch nicht kennenlernen. Sie saßen hier zusammen fest, aber Noemi fühlte sich im Augenblick noch erstaunlich ruhig, während der Rest unter ziemlichen Stress zu stehen schien. Sie bemerkte, wie in der Ferne Diego in Probleme geriet. Oder Probleme verursachte. Was auch immer es war, es war seine Angelegenheit. Sie war dem Mann nichts schuldig und würde sich hüten hier ihre Haut zu riskieren. Was der Mexikaner vermutlich gar nicht erst wollte. Er schien mehr als bereit zu sein, es mit einem oder auch mehreren Fremden aufzunehmen.
Was also tun?
Sie überlegte sich zum Priester zu gesellen, der nun wohl tatsächlich Nachforschungen anstellte, aber sie war bereits zuvor nicht unbedingt willkommen an der Bar gewesen. Freudlos lehrte sie ihr nächstes Glas. Sie warf Terry noch einen Blick zu, dann stand sie wortlos auf und gesellte sich zu Dayton und dem älteren Mann mit dem Apparat. Das Ende des Gesprächs bekam sie noch mit. Ihr braunes Auge tastete über den Schnauzbart des Mannes.
„Das klingt äußerst interessant, guter Mann…“
Sie drehte ihren Kopf um 90 Grad, um dem Begleiter des Priesters ins Gesicht sehen zu können.
„Diego hatte vorgehabt mal im Keller zu suchen“, meinte sie leise zu ihm.
Sie blickte nicht zu dem in Bedrängnis geratenen Mexikaner hinüber. Ihr Auge neigte sich aufwärts und als sie den Kopf zurück lehnte, konnte sie den über ihr liegenden Dielenboden mustern. Dort wo sich die Zimmer der „Damen“ befanden. Schließlich zuckte sie mit den Schultern.
„Ich sehe mal hinauf.“
Damit begann sie sich vorsichtig einen Weg durch die Ansammlung an Tischen und Stühlen zu ebnen und begann dann die Traube an Schaulustigen zu umgehen, die sich um den Mexikaner gesammelt hatte. Sie wusste nicht, ob sie einfach so dort hinauf durfte, aber jetzt gerade war wohl der beste Augenblick dafür, es zu versuchen. Diego und der Kerl, mit dem er wohl in Streit geraten war zogen einiges an Aufmerksamkeit auf sich. So unauffällig es ihr möglich war, versuchte sie die Treppe ins Obergeschoss zu nehmen und warf dabei noch einmal einen Blick auf die Stelle, an der Newson und Dayton standen.
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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Elli Mo Jul 04 2016, 09:47

Als plötzlich Unruhe im Saloon aufkam, musste Dayton sich schnell entscheiden. Auf eine Schlägerei hatte er keine Lust und einem der Anderen zu helfen auch nicht wirklich. Noemi kam hinzu und übernahm freiwillig, das Obergeschoss. Eigentlich kam Dayton die Schlägerei nach einer kurzen Überlegung ganz recht. Er stand auf und fasst seinen Gesprächspartner am Arm.
"Also, wenn das nun nicht der geeignete Zeitpunkt ist uns den Keller anzusehen, dann weiß ich ja auch nicht." er zwinkerte dem Mann zu, der sicherlich nicht auf eine Schlägerei aus war. Er sah nicht einmal so aus, als hätte er sich als Kind gerauft.
Dayton zog den perplexen Mann hinter sich her, bis er in der Nähe der Theke fand, was er suchte: eine Luke um in den Keller zu gelangen. Der Wirt war offenbar damit beschäftigt die Schlägerei im Auge zu behalten, die auch Dayton immer wieder mit einem Blick bedachte um nicht von umherfliegenden Stühlen oder Gringos getroffen zu werden. Er zerrte an dem Haken der Luke.

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Leo Di Jul 05 2016, 19:36

Als alle anderen nach und nach aufstanden, blieb Terry als letzter am Tisch zurück. Nachdenklich sah er ihnen nach. Er hatte ein ungutes Gefühl bei dem, was Pezosa wohl vorhatte, und es bewahrheitete sich kurz darauf, als er dem armen Kerl bei der Saloondame eine Kopfnuss verpasste. Terry schluckte. Oh Mann … da waren sie ja echt an eine Type geraten …
Hilfesuchend sah er sich im Saloon um. Pezosa war ziemlich in der Minderheit, wenn ihm niemand half, sah es nicht gut für ihn aus. Terry selbst hatte keine Erfahrung in Kneipenschlägereien, und er hatte wirklich keine Lust, sich in Pezosas Probleme einzumischen, aber andererseits … Unschlüssig stand er auf, dann sah er wieder zwischen seinen unfreiwilligen Gefährten hin und her. Prügelpriester an der Bar, Noemi an der Treppe, Bart neben der Theke … die sahen alle nicht aus, als wollten sie helfen. Bestimmt ‘ne kluge Idee. Er sah, wie Noemi sich allein auf die Treppe begab, als der Bewacher (‚Dex‘ oder so ähnlich) gerade nicht hinguckte. Hm. Der Bart hatte schon Hilfe, vom toten Erfinder; vielleicht konnte Noemi ein zweites Paar Hände eher gebrauchen als die zwei.
So unauffällig wie möglich drückte er sich durch den Saloon, in dem nun vollends ein Tumult ausbrach. Niemand beachtete ihn. Gut so. Er wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schlich leicht geduckt an der Wand entlang, bis zur Treppe. Dex sah auch jetzt nicht hin, oder zumindest nicht zu ihm hin, also nutzte Terry die Chance, sprang mit einem leichtfüßigen Satz (Terry, der Katzenmann, yessa!) auf die unterste Stufe und suchte Deckung hinter der Treppenhauswand. Dann begann er, leise die Stufen hochzuschleichen.

Terry erinnerte sich noch genau an seine erste Begegnung mit einer Prostituierten, denn es war ein haarsträubendes Erlebnis gewesen. Es gab in Wells nicht viele Huren, deshalb war seine Auswahl nicht groß gewesen, als er an jenem Abend im Saloon gesessen hatte, 17 Jahre alt und ziemlich betrunken. Schon den ganzen Abend lang hatte er zugesehen, wie immer wieder Männer auf die Saloondamen zugegangen waren, und nach einem kurzen Gespräch waren sie im Obergeschoss verschwunden. Es lief immer gleich ab, und immer problemlos, und Terry sehnte sich danach, dass es mit ihm auch so problemlos sein könnte. Bisher hatte er noch nie mit einer Frau geschlafen, und so sehr er die Huren an diesem Abend auch betrachtete, es fühlte sich einfach … nicht richtig an.
Es war nicht der erste Abend, an dem er das versucht hatte, aber es war der erste, an dem seine Begleiter, ein paar etwa Gleichaltrige aus dem Dorf, sein ‚Interesse‘ bemerkten. Zuerst rissen sie nur ein paar geschmacklose Witze, über die Terry ebenfalls lachen konnte, doch damit schien die Sache für sie nicht erledigt zu sein; schlussendlich zogen sie Terry, der sich nur halbherzig wehrte, kurzerhand von seinem Stuhl und schoben ihn zu einer der leicht bekleideten Frauen hinüber.
An das Gespräch erinnerte Terry sich nicht mehr, auch nicht mehr, wie viel Geld er der Dame gegeben hatte, doch er wusste noch, wie er in Begleitung der Halbnackten die Treppe hochgegangen war, in ein Zimmer, das viel zu stark nach Rosen geduftet hatte, so stark, dass ihm schwindelig davon wurde. Alles war rot und weiß gewesen, das riesige Bettlaken hatte ein paar dunkle Flecken. Es hatte kein Fenster, nur zwei Kerzen auf dem Nachttisch. Die Hure bemerkte seine Unsicherheit schnell, schob ihn zum Bett, bis er sich setzen musste und machte sich daran, sein Hemd aufzuknöpfen, bis er ihre Hände vorsichtig wegschob und das selbst übernahm. Die Schuhe folgten kurz darauf (er erinnerte sich noch, dass der Holzboden unangenehm rau gewesen war), dann stand er auf und sah auf die Frau, die sich vor ihm auf dem Bett räkelte. Weder in seinem Kopf noch in seiner Hose rührte sich das Geringste, und Terry spürte, wie ihm Blut in den Kopf schoss. Er spürte, dass die Frau etwas ganz bestimmtes von ihm erwartete, also schloss er die Augen, versuchte, an den attraktiven Nachbarsjungen zu denken und zog seine Hose aus.
Es war ein einziger Krampf, und das schien auch die Hure bald zu merken. Terry stand vor ihr, sah auf sie herunter und versuchte, so etwas wie Lust zu empfinden, doch da war einfach nichts, was er spürte, und dementsprechend war auch sein Körper von dieser ganzen Idee nicht begeistert. Untenrum lief nichts, was er auch versuchte, nur der klebrige Rosenduft stach ihm in die Nase und brachte ihn fast zum Niesen. Die Hure, jung, blond und auch wohl sowas wie schön lag vor ihm, mit gespreizten Beinen und fast völlig nackt. Sie schien ziemlich irritiert, und Terry merkte, dass hier etwas furchtbar schief lief, aber er konnte nichts dagegen tun. Er hielt noch gute zwanzig Sekunden durch, dann zog er sich mit knallrotem Kopf die Hose hoch, griff nach Schuhen und Hemd, murmelte etwas Unverständliches und verschwand eilig aus dem Zimmer.

Der Geruch im Obergeschoss erinnerte ihn unangenehm stark an dieses Erlebnis, auch wenn er heute aus anderen Gründen hier war. Gut, zwar auch in Begleitung einer Frau, aber nicht im Traum würde es ihm einfallen, Noemi anzurühren. Und sei es schon aus Angst um seine Finger. „Noemi!“, flüsterte er, als er sie eingeholt hatte und hätte sie beinahe an der Schulter berührt, bis er sich erinnerte, wie sie das letzte Mal reagiert hatte. „Keine Sorge, ich bin’s nur. Terry. Dachte, du könntest vielleicht Hilfe hier oben brauchen …

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Fade Mi Jul 06 2016, 20:07

Alles schien zu laufen, wie es sollte und gedanklich bewegte sich der Bandito bereits in den feucht dunklen, kühlen Kellerraum, in welchem hoffentlich ein Ausweg aus dem Alptraum versteckt lag. Doch natürlich kam es anders. Die Situation die sich bildete, als die Gruppe ihn umstellte, warf in Diego die Frage auf, wo die Bande gestern Nacht gesteckt hatte, als er Terry die Abreibung verpasst hatte. Da hatte noch ein Blick genügt die Gaffer zum schweigen zu bringen. Der Typ der ihn anging, war wohl der Kopf des Rudels und würde seinen Worten wohl zwangsläufig Taten folgen lassen.

-Verdammter Alptraum- Pezosa fühlte sich schmerzlich in die Situation zurückversetzt, als das Greenhorn blitzschnell seine Waffe gezogen hatte und ihn damit vor versammelter Mannschaft bloßstellte. Er selbst hatte nicht vor gehabt auch nur einen Moment zu lang zu zögern, doch war der Hieb seines Gegners mit einer fast übermenschlichen Geschwindigkeit* geführt, was Diego im Reflex nur geringfügig zu parieren vermochte. Wie eine kleine Schockwelle fuhr der Schmerz vom Kinn aus durch den gesamten Körper, doch El Pezosa war nicht aus Zucker und Schlägereien gehörten fast schon zur Routine. Der erlittene Schmerz pumpte gerade so viel Adrenalin ins Blut, dass der Mexikaner aus dem kurzen zurückschwingen des Oberkörpers einen raschen, harten Punch, als Antwort auf die freundliche Begrüßung, gegen die Heubodenvisage des Cowboys schleudern konnte. Diegos Gesichtsausdruck nahm zugleich ein überlegen wirkendes böses Grinsen an.
Keinen Schmerz zeigen. Keine Angst zeigen. Er war erfahren genug, dass er das psychologische Spiel im Traum beherrschte, welches manchmal mehr Einfluss auf den Sieg hatte, als die körperlichen Fähigkeiten. Zeig dem Alpha, dass du aus Stein bist.
Wenn er Schwäche zeigte oder sich zu viel Zeit ließ, würde am Ende noch die ganze Meute auf ihn los gehen, dann wäre das Spiel vorbei. Sein schlag saß nicht wie erhofft, denn der Cowboy hatte kampferfahren ähnlich schnell die Arme hoch gezogen, wie er auch attackiert hatte. Er war allerdings trotzdem merklich härter angeschlagen, als Diego, denn er taumelte etwas zurück.
El Pezosa hielt den Raubtierblick bei und taxierte rasch, ob es lohnte, nachzusetzen. Ein Rudel Coyoten gegen einen Grizzly. Kommt doch wenn ihr den Teufel nicht fürchtet.


*Angesetzter Wahrnehmungswert 5 (Chance zuvor zu kommen bei Wahrnehmung [Gut] = 3 kleiner 4%)

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Umbra So Jul 10 2016, 19:25

Zu Jims Verärgerung kam der Wirt nicht dazu, ihm zu antworten, bevor Krach und Gegröle den Mann ablenkte. An einem Ende des Saloons war die Stimmung gekippt, was nun wohl in einer Schlägerei gemündet.
Diese Tiere.
Jim wusste nicht, warum sich die weißen Siedler das Recht herausnahmen, sich als Menschen zu betrachteten und die Indianer als Wilde, während sie sich selbst verhielten wie dreckiger Gossenabschaum. In der Stadt hatten viele der normalen Bürger zumindest ein bisschen Bildung genossen… Hier draußen galt nur: Friss oder stirb. Und Prügeleien schienen ein beliebter Zeitvertreib zu sein.
Angewidert von diesem Pöbel, wollte Jim sich gerade wieder zur Bar wenden, beim Wirt nach Antworten nachzuhaken, als er erkannte, dass sich nicht irgendwelche der Dämonenerscheinungen untereinander schlugen, sondern dass sich der Mexikaner inmitten dieser aufgebrachten Menge befand und die schlechte Stimmung anheizte.
So etwas konnte wohl kaum dazu führen, dass sie alle des Rätsels Lösung näherkamen.
Missmutig knurrend stieß Jim sich vom Tresen ab und eilte, sich einfach durch Drängen Platz schaffend, zum Kampf herüber.
„Hört sofort auf damit!“, bellte er durch die Menge, als er sich in den Kreis zwängte. Die Absicht, sich zwischen die beiden Kämpfenden zu stellen und auseinanderzubringen, konnte er jedoch nicht in die Tat umsetzen.
Eine starke Hand, die sich in seinen Kragen krallte, hielt ihn auf.
„Eh, Euch kenn ich doch, Padre!“, schnarrte ihn jemand von der Seite an und hob ihn beinahe von Beinen, so kraftvoll wirbelte er ihn herum. Jim hatte keine Chance, sich dagegen zu wehren, Geschweige denn, sich loszureißen, obwohl er es versuchte.[1]
Als er so vor den ungepflegten Kerl gezerrt wurde, der ihm mit schadenfrohem Grinsen eine Alkoholfahne entgegenkeuchte, hatte er nicht auch nur den Eindruck einer Erinnerung, diesen Mann schon einmal gesehen zu haben.
„Seht euch den an!“, lachte der Kerl amüsiert davon, wie Jim sich verärgert und erfolglos unter seinem Griff wand.
„Bin gespannt, ob Ihr um‘n Drecksmex genauso viel heult wie um die Roten in Mankato, wenn wir’n aufknüpfen!“, tönte er lauthals durch den Saloon rufend… was ihm Halse stecken blieb, als Jims Kehle ein Zornesschrei entfuhr und seine hochschnellende Faust dem Mistkerl das Gesicht deformierte.[2]
Er hatte nicht vorgehabt, sich zu prügeln und hätte sich auch gegen den Griff nicht gewaltsam gewehrt, aber nun kochte unbändige, irische Wut in ihm
Mankato…
Jim erinnerte sich an keinen von den umstehenden hier, aber wenn die sich an ihn erinnerten und auch daran, dass versucht hatte, die Geschehnisse des 26. Dezembers 1862 in Mankato, Minnesota, zu verhindern, bestand kein Zweifel… Diese Massenhinrichtung war eine der schlimmsten Dinge, deren Jim je hatte Zeuge werden müssen.
Und diese Kerle waren ehemalige Soldaten, und sie hatten Blut an ihren Händen kleben. Das Blut unzähliger Dakota-Indianer. Nicht nur das Blut der Gehängten, sondern das Blut aller während des Sioux-Aufstands abgeschlachteten Indianer.
Diese menschenverachtenden Bastarde!
Es war befriedigend zu sehen, wie der Getroffene vor Jim aus den Latschen kippte und gegen einige der Zuschauer stürzte.
Doch nun ging die Scheiße erst wirklich los.
Einer der Umstehenden, stürzte sich nun, den vom überraschenden Angriff zu Boden gegangenen zu rächen, und stürmte brüllend wie ein rasender Berserker auf den Priester zu. Geistesgegenwärtig sprang Jim jedoch rechtzeitig zur Seite[3], sodass der Trottel an ihm vorbeistürmte und einen anderen Zuschauer umrempelte – was wieder für Unmut sorgte.
Die Luft kochte. Mit einem Mal flogen überall Fäuste.
Auch Pezosas Gegner hatte sich vom harten Schlag, den er hatte einstecken müssen, halbwegs erholt und schlug mit einem  irrem Blick in  den Augen zurück, wobei dem Hieb dieses Mal deutlich weniger Schwung innewohnte.[4]

[1] Gewalt -2 gegen 0
[2] 4 Schadenspunkte -> leichte Konsequenz
[3] Ausweichen 4 gegen 2
[4] Ausweichen gegen 0 bitte




Noemi und Terry gelangten wie durch ein Wunder unentdeckt im Obergeschoss des Saloons an. Der Mexikaner hatte für genug Aufregung gesorgt, um ihnen den Weg zu ebnen, und der Priester schien nun dafür zu sorgen, dass das vermutlich eher unfreiwillige Ablenkungskommando eine noch größere Wirkung entfaltete. Oben angekommen, stieg nicht nur Terry der Geruch von billigem Parfüm und allerlei Körperausdünstungen in die Nase, die unten um Saloon schon schwer in der Luft gehangen hatten, aber hier oben noch für weitaus dickere Luft sorgten. Zumindest im Flur. Hier gingen mehrere Türen ab, die wohl zu schmalen, eher karg ausgestatten Zimmern führten, wie der Blick durch eine offenstehende Tür in einen menschenleeren Raum erlaubte. Eine Schminkkommode am Fenster, ein mit zwei bunten Kleidern behängter Ständer und ein ranzig wirkendes, schmales Bett waren alles, was hier vorzufinden war. Einige andere Türen waren geschlossen, andere nur angelehnt – gerade das Zimmer, das genau über der Stelle liegen mochte, an der das Gerät am meisten ausgeschlagen hatte, war, wie kaum zu übersehen und zu überhören, besetzt. Durch etwas weiter geöffneten Türspalt konnte man schlecht nicht beobachten, wie sich ein Kerl mit heruntergelassenener Hose auf einer Saloondame austobte und dabei schnaubte wie ein Walross mit Nasennebenhöhleninfektion.



Unterdessen schaffte Dayton es, dem offenbar nicht sehr wachsamen Blick des Wirts zu entgehen, und den englischen Erfinder vor sich durch die Kellerluke zu schieben, bevor er sie selbst durchstieg. Sofort fiel ihm auf, dass es hier unten angenehm kühler als im Saloon und, erst recht, als draußen war. Eine hölzerne, knarzende Treppe führte, gesäumt von größtenteils gut gefüllten Flaschenregalen, hinab auf festgetretenen Erdboden. Sobald er die Luke zuziehen würde, würde es stockfinster sein. Doch er konnte erkennen, dass unten an einem Nagel in einem Stützbalken eine Öllaterne hing.

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Elli Mo Jul 11 2016, 10:22

"Los, los!" trieb Dayton den Erfinder an. Er hatte keine Lust sich zu prügeln, das sollten der Maisfresser und der irre Pater schön machen. Ein tolles Vorbild war dieser Pfaffe.
"Schnell, wir wollen doch nicht in diese Schlägerei geraten." Tatsächlich setzte sich der Erfinder in Bewegung und eierte die Treppe herunter. Der Cowboy warf noch einen Blick durch die Luke, die nur noch ein kleines Stück geöffnet war, als ihm ein Stuhl entgegen geflogen kam. Mit einem kräftigen Ruck zog er das Holz hinter sich zu und wartete darauf, dass seine Augen sich ein wenig an die Dunkelheit gewöhnen würden. Sehr langsam tastete er sich Stufe für Stufe hinab und war froh den lehmigen Boden unter seinen Stiefel zu fühlen. Er streckte seine Arme nach oben und begann nach der Lampe zu tasten.
"Keine Sorge. Ich sorge gleich für etwas Licht." murmelte er seinem stummen Begleiter zu.
Nach endlosen Augenblicken fand er endlich die Lampe und zog sie von dem Nagel ab.
Er kniete sich auf den Boden und nestelte an seiner Hosentasche herum, bis er den Zunder gefunden hatte. Die Feuersteine die er hatte, waren schon alt und hatten bessere Zeiten gesehen, aber für eine kleine Flamme sollte es wohl noch reichen.
Eifrig schlug er die Steine über dem Zunder zusammen, während von oben das Getöse der Prügelei ertönte. Kleine Funken flogen umher, zuerst ohne den Zunder in Flammen zu setzen, doch dann endlich züngelte eine kleine Flamme auf. Dayton nestelte die Lampe auf und hoffe auf genug Öl, damit sie einige Zeit Licht haben würden. Erfreulicherweise flammte der Docht schnell und hell auf, als er mit dem kokelnden Zunder in Berührung kam.
"So mein Lieber. Butter bei die Fische, ich will ehrlich sein, hier geht was nicht mit rechten Dingen zu. Ich habe bisher nicht an Geister geglaubt, aber seit sagen wir einem Tag, sehe ich das ein bisschen anders. Da ja nun schon dieser Apperat erfunden wurde, gut es sicher etwas nachdem ich schauen sollte. " Er trat näher an den Erfinder und blickte auf das Gerät das nun völlig wild ausschlug.

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Fade So Jul 17 2016, 00:51

Durch die Luft schweben und halb durchsichtig vom Mondlicht mitternachts die Kinder erschrecken. Die verdammten Geister spielten einfach nicht nach den Regeln hier. Die Leute waren hier wie echt, genau wie das Essen und das Gebäude. Dies würde auch für ihre Waffen gelten, wenn es erst zum äußersten kam und vielleicht spielte das inzwischen schon gar keine Rolle mehr. Vielleicht waren sie ja auch alle bereits Tot.
Das es laut im Saloon wurde bekam nicht nur Diego mit, denn auch die Umstehenden hielten ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf die beiden Streithähne beschränkt. Dies hatte zumindest den Vorteil, dass sich vielleicht noch die Chance ergab, sich mit der Chica in den Keller zu verdrücken und zumindest bei der war es ja in Ordnung, dass sie sich nicht an die klassischen Geistergeschichten halten wollte.

El Pezosa parierte den schwächelnden Hieb des Großmauls mit dem linken Arm, um ihm mit der rechten einen klassischen Schwinger auf die Backe zu verabreichen. Wenn der saß, sollte das den Gringo vorerst ins Reich der Träume schicken.

Was im Saloon den Tumult auslöste konnte der Mexikaner dabei nur Mutmaßen. Vielleicht hatte das Greenhorn versucht ein Glas Wiskey vom Nachbartisch zu stehlen und bekam nur die Tracht Prügel seines jungen Lebens. Das Bild erheiterte El Pezosa dabei bedingt, weil die Vorstellung schlicht Balsam für seine schwarze Seele war, dass er hier nicht als einziger in der Patsche steckte, sondern auch andere zu leiden hatten.

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Darnamur Mo Jul 18 2016, 23:32

Noemi horchte auf, als sie Terrys Stimme neben sich vernahm. Ihr Kopf drehte sich, damit sie den Mann ins Blickfeld nehmen konnte. Ihr braunes Auge musterte ihn kritisch, dann nickte sie aber leicht.
„Dort vorne“, flüsterte sie und wies mit ihrem Zeigefinger auf einen offen stehenden Türspalt etwas weiter im Gang. Von dort ertönten quietschende Geräusche und Noemi erinnerte sich zurück, wie sie auf ihr Bettgestell gedrückt würde, während Flechter in sie eindrang und das Drahtgitter zum Beben brachte. Ihr Herz pumpte.
Kurz ließ sie den Blick auf dem Kleiderständer ruhen und zog es in Erwägung sich zu verkleiden. Aber nein. Sie hatte nicht vor sich in das Gewand einer Sexsklavin zu zwängen. Nie wieder. Das hatte sie sich geschworen. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. Sie würden schon an das herankommen, was sie brauchten. Sie überprüfte nochmals ihr Gewehr, dann bedeutete sie Terry ihr vorsichtig zu folgen.
Je näher sie kamen, desto lauter wurden die Geräusche. Ein tiefes, hastiges Stöhnen und Schnaufen war zu hören und Noemi hatte Kellys wabbelndes Wanst vor Augen, wie er sich vor und zurück bewegte, während seine stinkende Männlichkeit sie zum Würgen brachte. Ihr Auge begann zornig zu schimmern.
Sie musste ruhig bleiben. Ruhig. Ihre Zähne mahlten aufeinander. Mit dem Gewehr im Anschlag näherte sie sich der Tür und schob sich dann in die Öffnung.
Vor ihr bot sich ein Bild sexueller Perversion. Die Hose des fetten Schweins war heruntergelassen, sodass sie einen Blick auf dessen dicht behaarte Oberschenkel erhaschen könnte. Er stöhnte wie ein brünstiger Walfisch. Sein massiger Oberkörper bewegte sich im Takt, während er die Frau vor sich zu Boden quetschte und ihre Beine spreizte, wie eine Puppe aus Fleisch und Knochen. Ein widerlicher Bastard. Noemi erinnerte sich an alle die Male, in denen sie in der Position dieser Frau gewesen war, während rücksichtslos ein brennender Stachel in sie einstach. Ihre Hände zitterten.
Dem Hurenbock floss der Schweiß vom durchtränkten Oberteil zu den fetten Arschbacken, die bestimmt dreimal so groß waren, wie die Titten seiner heiser kreischenden Begierde.
Wie Hanson, als er sein Teil immer wieder in Sophias Leib zwängte. Sie hatte das Gewehr genommen und seinen Rücken und Hinterkopf mit Blei durchsiebt. Dieser perverse, asoziale Fleischberg. Ihre Finger zitterten und eine Träne begann ihr aus dem Auge zu rinnen. Sie entsicherte die Waffe und trat in den Raum hinein. Ihre Absätze klackten auf dem Dielenboden. Die Narben verzerrten Noemis Gesicht zu einer grausamen Maske. Langsam und träge, wandte das Walross seinen rotwangigen Schädel zu ihr um. Der Blick in benebelter Ekstase. Ihr Zeigefinger spannte sich um den Abzug, als Zorn jede Faser ihres Körpers durchdrang und ihren Verstand ausblendete.
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Beitrag von Leo Mi Jul 20 2016, 00:05

Terry glaubte, vor Parfümgeruch gleich kotzen zu müssen. Und das war nicht nur Parfüm. Ekelhaft … er konnte wirklich nicht verstehen, wie normale Männer das aushielten. Mit Nasenklammer? An den Typen, den man im Flur schon hörte, hätte er jedenfalls gern eine verteilt. Mann, waren sie hier auf einer Kuhweide gelandet? „Geht’s vielleicht bisschen menschlicher?“, murrte er halblaut und sah sich dann im Flur und im angrenzenden – leeren – Zimmer um.
Der Holzboden war ziemlich schäbig – natürlich. Türen gingen links und rechts ab, die meisten geschlossen; das Zimmer, in das sie sehen konnten, sah genauso aus, wie Terry es sich gedacht hatte und erinnerte ihn an seine Vergangenheit. Hoffentlich wurde er jetzt nicht rot … Er betrachtete den Kleiderständen, kratzte sich am Kopf und überlegte, wie es wohl sein musste, in solchen … bekloppten Kleidern zu stecken. Standen Männer echt auf sowas? Dann sollte er das vielleicht auch mal probieren … Terry grinste, als er sich vorstellte, wie er selbst sich in einem dieser Kleider vorm Spiegel räkelte. Am besten noch ne Haube dazu, damit niemand seine Männerfrisur sah, so ne weiße mit Rüschen, wie bei Hochzeiten … puh, er würde sich in Grund und Boden schämen. Und auf die Weise auch bestimmt keinen Partner finden, niemals nicht.
Als er sich aus seinen Gedanken riss und den Kopf aus dem Türrahmen wegzog, war Noemi schon weitergegangen, und Terry bemühte sich, wieder zu ihr aufzuschließen. Ziemlich zielstrebig gingen sie auf die Tür zu, hinter der diese widerlichen Geräusche zu hören waren. Buärks. Das war echt … abartig … ein Glück, dass er nie aus diese Art Sex haben würde. Terry blieb unschlüssig im Türrahmen stehen – bis er bemerkte, was Noemi vorhatte.
Nein … fuck! Nicht jetzt!
Seine Kumpanin hatte ihr Gewehr schon entsichert und legte gerade auf den Klops an – von hinten! – als Terrys Bauch für ihn entschied, dass er jetzt was tun musste. Hastig trat er selbst in den Raum (was für ein Gestank!) und an Noemis Seite, wo er, eilig aber bestimmt, nach dem Lauf ihres Gewehres griff und ihn nach unten drückte, weg von Klopsis fettem Hinterteil. „Bist du wahnsinnig?!“ Mannomann … das Mädel war echt durch mit den Nerven. Terry erinnerte sich an das, was er über ihre Vergangenheit wusste und versuchte, sowas wie Verständnis zu finden, aber wahrscheinlich ging das nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hatte, wenn man nicht selbst … er wollte lieber nicht darüber nachdenken.
Dann erst fiel ihm auf, dass er jetzt bestimmt Klopsis Aufmerksamkeit erregt hatte. Scheiße. „Äh, tschuldigen Sie die Störung, wie … nun, wir sind schon wieder weg! Wiedersehen!“ Er grinste entschuldigend in Richtung Bett, dann, ohne die Zähne auseinanderzunehmen oder den Blick abzuwenden, wandte er sich wieder an Noemi. „Was war das denn für ne Aktion?!“, knirschte er zur Seite. Toll – als hätten sie noch nicht genug Ärger am Hacken!

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Beitrag von Umbra Sa Jul 23 2016, 20:19

El Pezosas Pranke dellte das Gesicht seines Gegners mit solcher Kraft ein, dass der Schwung dessen ganzen Körper mit sich riss. Stolpernd die Füße voreinander setzend, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, tauchte das Großmaul aus Pezosas Sichtfeld, und brach schließlich doch zusammen. Kaum berührte sein Bauch den Boden, schien der ganze Körper an Substanz zu verlieren und verteilte sich als schwappende Welle aus Staub auf den Dielen. Nur die Kleidung des Mannes blieb zurück. Zunächst sank sie wie eine leere Hülle zu Boden, als sich der Körper, den sie umschlossen hatte, zerfiel; aber dann begann auch sie, sich aufzulösen. Es wirkte fast so, als würde sie von Glut zerfressen werden, obwohl kein Feuer zu sehen war. Sie wurde löchrig und schwarz, bis die übrig gebliebenen Reste, sich mit einem Mal wie Ascheflocken, die von seichtem Wind fortgetragen wurden, aufstiegen und dann aber zu Boden rieselten.
Sowohl Pezosa als auch Jim hatten Gelegenheit, dies alles, was sich innerhalb von wenigen nur Sekunden abspielte, zu beobachten, doch sie schienen die einzigen zu sein, die es überhaupt wahrnahmen. Nach einer kurzen Atempause waren beide wieder umringt von neuen Gegnern, die sich nichts daraus machten, ehrenhaft Mann gegen Mann zu kämpfen.
Angegriffen von jeweils mehreren, konnten Jim und Pezosa durchaus noch einige heftige Treffer landen und zwei Männer zu Staub verwandeln, aber das Blatt hatte sich gewendet – wenn es denn jemals gut für die beiden ausgesehen hatte.
Der Mexikaner kam bei der schieren Übermacht in starke Bedrängnis und musste von allen Seiten Schläge einstecken; und auch für Jim sah es nicht besser aus. Es endete damit, dass Pezosa von mehreren festgehalten wurde, während ein anderer auf ihn einprügelte, und dass Jim von einem Fausthieb in den nächsten stolperte, ohne selbst noch in der Lage zu sein, sich zu verteidigen. Als Jim nach einem kräftigen Hieb in den Magen keuchend auf alle Viere sank, zogen zwei seiner Peiniger ihn wieder auf die Beine und hielten ihn fest. Sie fixierten nicht nur seine Arme, sondern packten ihn auch an Haaren und zwangen ihn spottend, den Blick auf den Mexikaner zu richten, den er versucht hatte zu verteidigen.
Denn der Prediger sollte nichts vom Geschehen verpassen. Die Männer fesselten dem sich vergeblich wehrenden El Pezosa die Hände auf dem Rücken und legten ihm eine Schlinge um den Hals. Das andere Ende des Seils warfen sie über den Kronleuchter.



Unterdessen hörte Dayton über sich Getöse. Trampelei, Gebrüll, brechende Möbel, Krüge und vielleicht auch Knochen. In der angenehmen Kühle des Kellers, jedoch, musste er sich darum keine Sorgen machen. Anscheinend war gerade für genug Ablenkung gesorgt, dass er sich in Ruhe umsehen konnte.
„Geister?“
Der englische Erfinder blickte irritiert dreinblickend von seinem verrücktspielenden Gerät auf.
„Meinen Sie nicht, dass es eine weltliche Erklärung geben kann? Dieser Saloon macht zwar einen eigenwilligen Eindruck, allerdings ist das hier in dieser Gegend nichts Ungewöhnliches, soweit ich weiß. Sie kommen doch von hier, sagten Sie…“
Trotzdem der Mann Daytons Theorie anzweifelte, begleitete er ihn im Schein der Laterne, zwischen den in Regalen gestapelten und wohl regelmäßig entstaubt werdenden Vorräten hindurch. Auch wenn die Anzeige des Geräts, nach wie vor, zitterte wie ein Nackter in tiefstem Schneesturm, war jedoch zu bemerken, dass sich die Nadel immer mehr dem oberen Ende der Skala näherte, desto mehr es sich der Stelle unter der Stelle näherte, an der Dayton und Newson Hilger im Saloon unterhalten hatten. Jedoch mussten beide feststellen, dass der Keller kleiner war, als sie gedacht hatten, und deswegen gar nicht dorthingelangen konnten, wo sie den Auslöser dieses starken Ausschlags des Detektors vermuteten. Ihre Suche wurde durch eine Wand gestoppt. Wer auch immer diesen Saloon errichtet hatte, hatte das Kellerloch mit Balken und Holzbrettern befestigt. In der Hoffnung, vielleicht noch einen versteckten Raum auf der anderen Seite der Bretterwand zu finden, die ihm im Weg war, untersuchte Dayton sie genauer… Nur um feststellen zu müssen, dass sich auf der anderen Seite tatsächlich Dreck befand, als er zwischen die Spalten spähte und zur Probe auch mit seinem Messer darin herumstocherte.
So schnell wollte er sich allerdings nicht geschlagen gegeben. Aus einer Laune heraus rückte er Regale und andere Dinge von der Wand weg. Tatsächlich entdeckte er hinter einem schweren Stapel Kisten etwas, das ihm ins Auge fiel: Die Bretter hier waren nicht direkt mit den Balken vernagelt, sondern mit einem zusätzlichen, etwa türgroßen Rahmen, der anderen vielleicht nicht aufgefallen wäre. Nach eingehender Betrachtung begann Dayton, daran herumzudrücken und zu ziehen – doch es handelte sich um keine Tür im eigentlichen Sinne. Es musste ein vernagelter Verschlag sein. Mit seinem Messer gelang es ihm, ein Brett nach dem anderen herauszuhebeln, bis ein Loch entstanden war, das groß genug war, um hindurchzusteigen.
Ein kurzer Gang schien in einen weiteren Raum zu führen. Die Luft, die Dayton entgegenstieg, roch auf undefinierbare Weise etwas süßlich und war stark abgestanden. Als Dayton die Laterne aufhob, die er zum Freimachen des Verschlags abgestellt hatte, stellte er fest, dass er allein war. Der Erfinder war, mitsamt seinem Gerät, wie vom Erdboden verschluckt.



Gerade, als der beleibte Freier, überrascht von der Störung und noch immer lauf schnaufend, von der Hure herunterrollte; gerade, als Jim seinen Atem wiederfand und dem Mob, laut protestierend, Befehle und Verwünschungen entgegenschrie, während Pezosa schon in der Luft zappelte; gerade, als Dayton das Ausmaß seines Fundes erkannte und ungläubig seine Finger danach ausstreckte; gerade dann… begann es wieder.
Plötzlicher, reißender Wind erfasste alles und jeden, wirbelte wütend umher und brachte Staub und Unheil mit sich. Berstendes Holz war durch das ohrenbetäubende Toben zu hören; lose Gegenstände und bald auch schon Wände flogen wie Geschosse umher, Decken verschwanden, Böden brachen ein.

Schmerzen von Kratzern, Schnitten, Quetschungen, zertrümmerten Knochen.
Und dann schwarzes Nichts.



Kühle Luft füllte die Lungen. Das war das Erste, was Noemi, Terry, Dayton, Diego und Jim wahrnahmen, als sie erwachten. Sie schmeckte dick und schal, roch auf beißende Weise süßlich, und war mit Staub angereichert. Als sie die Augen aufschlugen und bemerkten, dass sie nicht allein, sondern gemeinsam hier lagen und auch gemeinsam das Bewusstsein zu erlangen schienen, bemerkten sie ebenfalls Mauerwerk über sich und um sich herum. Es waren bröckelige Ziegelsteine, die vom Licht einer Öllaterne bestrahlt wurden, die nahe des einzigen Ausgangs – eines Lochs in einer Wand, die in einen Gang zu führen schien – am Boden stand und müde im leichten Luftzug, der aus dieser Richtung kam, flackerte.

Als langsam die Erinnerungen zurückkehrten, merkten alle, dass die Schmerzen und anderen körperlichen Beschwerden, die sie aus den verschiedensten Gründen gespürt hatten, verschwunden waren. Kein Kater, keine Prellungen, keine eingebüßten Zähne, keine eingeschnittenen Würgemale[1]… nur fühlte sich alles etwas steif an. Der Boden stellte sich als wirklich rückenunfreundlich heraus, was vor Allem daran lag, dass er mit Gegenständen überhäuft war, auf denen sie alle nun lagen.
Dayton fiel ein, um was dieses Unebenmäßige war, was sich ihm ins Fleisch piekte, noch bevor er es betrachten musste… Immerhin war es das Letzte gewesen, was er vor dem Sturm hatte erblicken müssen:
Tote. Leichen. Und zwar recht viele davon, zum Teil skelettiert, zum Teil mumifiziert.

[1:
]Alle Verletzungen/Konsequenzen sind geheilt. Nicht nur regeltechnisch, alle Wunden sind verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

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Beitrag von Fade Sa Jul 23 2016, 21:32

El Pezosa gab keinen Laut von sich, als er sich langsam erhob. Den anderen warf er nur einen kurzen, prüfenden Blick zu, nachdem er sich versichert hatte, seine Waffen noch zu besitzen. Er war verwundert, dass der Alte nicht unter ihnen war, aber was hier geschah war ohnehin weder zu verstehen noch zu beherrschen. Er ging direkt auf die Öllaterne zu und hob sie vom Boden auf. Den anderen schenkte er keine Beachtung mehr. Etwas spielte mit ihm und so wie die letzten 24 Stunden verlaufen waren, war er nicht mehr gewillt, auf irgendjemanden hier zu hören, als auf sich selbst.

Nun also ein Massengrab? Das, nach dem sie Gesucht hatten? Waren sie überhaupt noch an dem Ort in der Ödnis oder vielleicht in einem anderen Raum der Hölle? Diegos Blick glitt über den Boden. Er erkannte die Toten nicht wieder, sofern sie überhaupt noch entfernt kenntlich waren. Was hatte er mit diesem ganzen Misst überhaupt zu tun? Alles hier entsprang doch einem verrückten Traum. Er fühlte keine Schmerzen mehr, aber er erinnerte sich sehr wohl an die die er gerade eben noch erlitten hatte und an das Seil, das ihm die Luft raubte. Überhaupt. In welcher Welt wurde ein Mann mitten in einem Saloon aufgeknüpft? Nichts war hier so wie es schien und dies traf genauso auf diese seltsame Bande zu, in deren Gesellschaft er sich befand. Ein großmäuliges Greenhorn, welches aus Angst um sein Pferd den einzig wirklichen Killer hier bedrohte, ein Priester der nicht an Geister glaubte, wenn sie ihm ins erhobene Gesäß bissen, ein verunstaltetes Mädchen, die wohl vor nichts Angst hatte, außer ihrem Schatten vielleicht und zu guter letzt noch dieser bärtige Kauz, der eigentlich so gar nicht in das Bunt gewürfelte Bild passte und den Priester wohl nur widerwillig als Weggefährten gewählt hatte. Waren das vielleicht Geister aus seiner Vergangenheit? Etwas was ihm ein schlechtes Gewissen machen sollte? Verdammt. Es kam nicht oft vor, dass ihn seine Umwelt schlechter behandelte, als er es zurück gab, doch hier schienen alle Wahrscheinlichkeiten gegen ihn zu arbeiten.

Er hob die Laterne über Kopfhöhe. Natürlich fühlte sie sich echt an, genau wie die Staubgeister und die ganze andere Scheiße hier. Mit der spärlichen Lichtquelle schritt er auf das Loch zu, welches wohl der einzig sichtbare Ausgang aus der Leichenkammer war. Was die anderen Taten war ihm im Augenblick völlig egal. Er würde sie ignorieren oder erschießen, aber Rücksichtnahme stand nicht mehr im Programm.

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Beitrag von Darnamur Mo Jul 25 2016, 23:13

Vor ihrem inneren Auge platzte das Gesicht des Walrosses wie ein volles Tomatensaftglas. Doch ihr geschmolzenes Hirn registrierte vage, dass eine Stimme sie anschrie und den Lauf des Gewehrs nach unten drückte. Ihr Herz pumpte schmerzhaft. Sie wollte töten. Wollte töten…
Was tue ich? Noemi ergriff ein Schwindelgefühl. Neben ihr stand Terry. Er redete. Das Walross rollte sich von seinem Fickloch herunter. Aus den Wänden rissen Nägeln und Latten. Ein Stuhl raste quer durch den Raum und verfehlte knapp ihren Schädel. Das ist nicht real. Das ist nicht real. Der Sturm. Er kehrte zurück. Kehrte zurück….um sie zurückzuholen. Immer wieder. Warum immer sie? Noemis Blick schweifte durch den Raum, ihr Mund stand offen. Etwas Hartes traf sie am Schädel und sie wurde zu Boden geworfen. Staub wirbelte durch die Luft, tanzte vor ihrem Gesicht.
Wie kannst du das nur tun, Kind. Wie kannst du mein Vertrauen nur so missbrauchen?
Nicht diese Stimme. Nein, nein…wo war Tommy? Noemi stemmte sich vom berstenden Boden hoch, presste die Augen auf. Brillengläser funkelten im Dunst. Und graue kreisende Iriden. Noemi brüllte laut, während die Träne aus ihrem Auge vom Sturm weggefegt wurde. Der Wind erfasste sie. Und mit solcher Stärke, dass keine Gegenwehr mehr möglich war. Sie warf den Kopf in den Nacken und brüllte, drückte den Abzug ihres Gewehrs durch und verlor die Sinne.

Schwarz. Samtschwarze Finsternis. Erst allmählich kehrten Noemis Sinne zurück. Sie lag auf etwas Weichem. Ein schwacher Lichtschein wanderte umher. Sie blieb liegen und schloss ihr Auge. Noemi fühlte Körper unter sich. Ein Kleid, ein Schädelknochen. Sie war bei den Toten. Noemi atmete leise aus und ein. Dann musste es zumindest ein Ende haben. Alles musste enden. Der Lichtschein auf ihrer Netzhaut verkleinerte sich und sie hörte knirschende Stiefelschritte, die in eine Richtung abmarschierten. Ja, verschwinde…ich bin tot.
Er wird verschwinden, Kind. Aber du nicht. Du wirst niemals verschwinden, Kind.
Es säuselte zärtlich in ihrem Ohr. Noemi tastete zitternd über den Boden. Ihre Fingernägel gruben sich in totes Fleisch und Bandagen. Weiter rechts erfasste sie einen Gürtel, ein leeres Revolverholster…es mochten die Leichen von Siedlern, von Saloongästen sein.
Ein Feld aus Toten…aber sie konnte sich noch bewegen. Noemis Kopf lehnte mit geschlossenen Augen an der Brust einer der Saloondamen. Sie wollte nicht mehr aufstehen. Nicht wieder mit dem Chaos konfrontiert werden.
Du kannst niemals entkommen.
Durch das Fenster schielte das Licht des Viertelmonds, als sie an es herantrat. Eisiger Wind. Ihre Finger klammerten sich verkrampft um den Fensterrahmen, als sie auf den Sims trat.
Aber ich bin entkommen. Sie sind alle tot. Ich habe sie getötet. Hörst du, Flechter, du Bastard. Du bist tot, lass mich in Frieden.
Die Schritte der Stiefel entfernten sich. Noemi wollte einfach liegen bleiben. Auf dem Berg aus toten Fleisch. Ihr Tod schockierte sie nicht einmal. Es war einfach so. Vielleicht war es auch gar nicht real. Nichts war sicher in dieser Welt. Und vielleicht bildete sie sich die Schritte und anderen Geräusche um sie herum auch nur ein. Vielleicht war es ein Traum und sie hatte den Saloon nie betreten. Vielleicht hatte sie Drogen genommen.
Du hast mich getötet. Aber bist du mir wirklich entkommen, mein Kind?
Sie sah den Fluss und das blutige Messer im Sonnenlicht glänzen. Aber sie wollte nicht daran denken. Noch immer rann ihr eine Träne aus dem Auge. Irgendwann musste es einfach aufhören. Irgendwann musste alles ein Ende nehmen. Fickt euch alle und lasst mich sterben.
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Beitrag von Elli Di Jul 26 2016, 15:58

"VERFLUCHTE KACKSCHEISSE!"
Am liebsten hätte Dayton alles kurz und klein geschlagen, als er wieder zu sich kam. Er war sich sicher gewesen, dass er kurz davor gewesen war dem Rätsel einen Schritt näher gekommen sein. Er hatte es fast gehabt! Fast! Und nun?! Wieder hier mit den anderen. Keinen Plan was es zu tun galt.
Er rappelte sich auf und sah sich um. Der Maisfresser hatte sich schon auf den Weg zu dem Loch gemacht. Was auch sonst. Wo sollten sie sonst auch hin? Immerhin standen sie hier auf beschissenen Leichen rum, die vermutlich eben noch quicklebendig im Saloon gestanden hatten.
Dayton holte mit seinem rechten Fuß aus und trat mit voller Wucht gegen einen der Schädel, der ihn von unten dämlich angrinste. Ein Krachen folgte, als sich der Kopf von der Wirbelsäule trennte und mit einiger Wucht durch die Luft segelte, bevor er auf anderen Knochenteilen landete und eine Staubwolke produzierte. Er atmte schnell, merkte jedoch schnell, dass er nicht mehr sauer war. Sondern eher bestürzt was aus ihm geworden war. Er sah von einer zu anderen, die langsam ins Hier und Jetzt zurückkamen.
"Kommt." sagte er dann nur, bevor er sich aufmachte über knirschende Knochen dem Mexikaner zu folgen. "Ey, wir sollten zusammen bleiben!"

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Beitrag von Leo Do Jul 28 2016, 22:13

Als Terry wach wurde, war es seltsam kalt. Seine Arme und Beine fühlten sich so an, wie sie es nach seiner allerersten Nacht im Freien getan hatten. Er stöhnte und streckte seine kühlen Glieder, dann schlug er die Augen auf. Es war dunkel. Ziemlich dunkel. Irgendwo flackerte etwas, das wohl eine Laterne sein musste, und Terry hörte eine Stimme, sogar eine bekannte.
Der Bart fluchte. Terry konnte ihn verstehen. Nur sehr langsam reimte er sich zusammen, was gerade – einmal mehr – passiert sein musste. Großartig. „Dieser Dreckswind …“ Wenn das nicht bald aufhörte würden sie alle noch wahnsinnig werden. Angefangen vielleicht beim Bart. Terry hob den Kopf an und hörte unter sich ein seltsam hohles Geräusch; erst jetzt bemerkte er, dass er auf etwas ziemlich seltsamem liegen musste. Irgendwo in seinem Rücken zwickte es, aber es war zu dunkel, um Genaueres zu sehen. Dann hob der ätzende Mexikaner seine Laterne, und milchiges Licht fiel auf etwas Weißliches …
Uah!
Ihm entgegen grinste ein kahler Knochenschädel. Na großartig … wo waren sie denn jetzt schon wieder gelandet, beim Barte von Irgendwem?! Das war doch alles Wahnsinn! Terry sprang auf und sah hinter sich zu Boden – das, worauf er gelegen hatte, war ebenfalls ein Skelett, einer der Ellenbogen lag nach oben und war wohl die lästige Spitze in seinem Rücken gewesen. Eine Übelkeit überfiel ihn, die er so noch nicht kannte – bisher hatte er höchst selten mit Toten zu tun gehabt, aber ganz sicher noch nie mit einem dunklen Massengrab, auf dem er bis eben noch friedlich gepennt hatte.
Er sah sich um, bemüht, den Blicken der Totenschädel auszuweichen. Der Pater lag noch, aber er würde den Teufel tun und diesem Wüstenaas aufhelfen; neben ihm lag sonst nur noch Noemi, die aber sicher einen Schreikrampf bekommen würde, wenn er sie jetzt an der Schulter griff.
Trotzdem, der Bart hatte recht – sie mussten hier raus. Und zwar am besten, solange die Laterne noch schien. „Ey, Pancho oder wie du heißt, bleib ma stehn, wir brauchen auch bisschen Licht!“ Dann wandte er sich wieder seiner einäugigen Leidensgenossin zu. „Noemi? Alles okay bei dir, brauchste Hilfe oder so?

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Beitrag von Umbra Di Aug 02 2016, 21:05

Jim atmete tief ein, als er erwachte, und bemerkte sofort die kühle, abgestandene Luft, die er da in seine Lungen ließ. Sie stank.
Er brauchte einige Sekunden, um sich klar zu werden, was geschehen war. Gerade noch hatte man ihn gewaltsam festgehalten, während Pezosa vor ihm gegen den Strick gekämpft hatte. Jim hatte nichts dagegen tun können… Es waren zu viele gewesen.
Diese beschissenen Bastarde!
Doch der Sturm hatte die Szenerie aufgelöst, hatte Jim scheinbar wieder das Bewusstsein geraubt… und wieder war er am Boden, doch war dieser unangenehm unebener als der Platz vor der Saloonruine: Jims Mitte befand höher als Kopf und Beine – und unter ihm lag etwas Hartes, das dieses Hohlkreuz noch unangenehmer gestaltete, als es mit weicher Unterlage gewesen wäre. Um ihn herum hörte er Gefluche. Natürlich war er nicht allein. Der Mexikaner – er lebte!... Dayton. Auch der Langfinger redete.
Ächzend suchte Jim mit seinen Händen Freiraum am Boden, indem er irgendwas beiseiteschob, und stemmte seinen Oberkörper hoch. Im Sitzen versuchte er, indem er seine Schultern kreisen ließ, das verspannte Gefühl im Rücken loszuwerden.
Natürlich erfolglos.
Jim fühlte sich ernüchternd… nüchtern. Auch die Prügel spürte er nicht mehr. Wie lange hatte er hier gelegen? Dieser Ort schien jedenfalls ein gemauerter, fensterloser Raum zu sein, soweit Jim sich ein Bild gemacht hatte.
Der Mexikaner schien gerade das spärliche Licht zu entführen. Jim konnte sehen, dass der Kerl in einen Gang hineinleuchtete, an dessen Ende ein totes, verbrettertes Ende war.
Jim wünschte sich, auf Irisch murmelnd, in seine Heimat zurück. Die Ostküste war angenehm. Der Westen war erfüllt von grauenhaften Schrecken. Nicht nur, dass er nun ein Tor zur Hölle gefunden haben schien… Nein, das Leben hier draußen war rau und gefährlich, voller Tod und Verderben. Der Tod fuhr hier reiche Ernte ein und der Teufel fand scharenweise Anhänger, selbst in harmlos wirkenden Passanten im Wegesrand.
Jetzt, da Jim saß und seine Umgebung bewusst wahrnahm, fiel ihm auf, dass der Boden mit allerhand Unrat übersät war. Kein Wunder also, dass sein Rücken nun protestierte. Natürlich wachte er öfter in seltsamen Positionen und auf seltsamen Gegenständen auf, wenn er sich zuvor in den Schlaf gesoffen hatte, aber der Restalkohol oder der Katerkonter machten das in solchen Fällen erträglich.
Nun allerdings… diese seltsamen Gegenstände…
„Christus!“, entfuhr es Father James O’Reilly vor Entsetzen, als er realisierte, um was es sich handelte, und war schneller auf den Beinen, als er es selbst für möglich gehalten hätte. Etwas benommen taumelte er über die Gebeine hinweg, aus Versehen auf den ein oder anderen sterblichen Überrest tretend, und suchte Halt an einer Wand in der Nähe vom Ausgang. Ihm war speiübel.
Geister und nun das hier…
Nun, wenn es einen Grund gab, warum die Seelen im Saloon keine Ruhe fanden, sollten es wirklich spukende Seelen sein, hatten sie ihn zweifelsfrei „gefunden“.
Jims Finger krallten sich an den kalten Ziegeln fest. Er kämpfte mit sich selbst. Doch er kam nicht gegen den immer größer werdenden Druck an. Sein Mageninhalt verlangte nach Freiheit.

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Beitrag von Fade Di Aug 02 2016, 22:14

Pezosa war stehengeblieben, als der Lampenschein verriet, dass der vermeintliche Ausgang am Ende des kurzen Ganges mit Brettern vernagelt worden war. Die Rufe der Anderen, die ebenfalls gerade zu sich kamen, spiegelten zumindest in etwa die gleiche Stimmung wieder, die auch er angesichts der neuen, alten Lage empfand. Ihm wollte nicht klar werden, wieso sie nun in einem Keller mit Leichen aufgewacht waren. War das die nächste Phase?
Während der Bandito schnaufte und versuchte dabei zu verdrängen, dass sie hier puren Verwesungsgeruch einatmeten versuchte er angespannt sich an etwas zu erinnern, was auch nur entfernt mit so einer Situation in Verbindung zu bringen war. Es war keine Falle. Dafür waren die Vorgänge, die mit ihnen veranstaltet wurden viel zu aufwändig. Geister oder indianische Götter vielleicht?

Diego konnte sich an Geschichten über Wesen mit übersinnlichen Kräften erinnern, die man Über das Indianerland erzählte. Aber nichts davon hätte sich einer ganzen Stadt bemächtigt, oder doch? Was, wenn mehrere dieser Fabelwesen ihre Magie zusammen legten? Verdammt. Das brachte ihn nicht weiter und von den anderen hatte offenbar auch noch niemand eine bessere Idee bekommen. Warum dieser Ort? Wieso konnte was immer auch mit ihnen sein Spiel trieb nicht konkret verlautbaren, was es von ihnen wollte? Beobachtete es sie vielleicht gerade? Diego schwang herum und blickte ins innere des Raumes zurück. Im Lampenschein war das Schattenspiel zwischen den toten Körpern und den Schicksalsgenossen gespenstisch und schien die Grenze zwischen Leben und Tod verschwimmen zu lassen. Unwillkürlich machte El Pezosa einen Schritt zurück. Ihm behagte der Raum nicht. Ganz und gar nicht. Er fühlte es sich kalt über den Rücken laufen.
Auch damit war er nicht alleine, nur hatte es bei ihm vielleicht etwas länger gedauert.
Erneut machte er auf dem Stiefelabsatz kehrt und ging entschlossen zur Bretterwand. Ihm war gleich, dass er den anderen damit nun deutlich an Licht raubte. Die wollten ja wohl auch von hier fort und einen anderen Weg schien es nicht zu geben. Misstrauisch beäugte der Mexikaner die Bretter und suchte nach dem Ursprung des Luftzugs, der bis in den Raum zu verspüren gewesen war. Die Wand war offenbar nicht unkaputtbar, jedoch zögerte er noch. Konnte es eine weitere Falle sein? Der Weg war so offensichtlich und sie waren vielleicht nicht grundlos hier aufgewacht. Zumindest die Luft erschien von draussen eine Spur frischer und das war wohl Grund genug das Draussen dem Hier vorzuziehen.
Er lauschte erst noch einen Moment auf verdächtige Geräusche und zog seinen Revolver, während er die Lampe zu Boden stellte. Danach begann er damit, die Holzbretter einzeln mit der flachen Hand am Rand abzuklopfen, um einzuschätzen, wo der Widerstand am geringsten sein würde. Mit einem Ohr lauschte er nun doch in Richtung der anderen, er sie ja schwerlich fortwünschen konnte und sie ihm vielleicht einen Strich durch die Rechnung machen wollten.

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Beitrag von Darnamur Do Aug 04 2016, 16:46

Noemi hörte die anderen Menschen murmeln. Ihr war klar, um wen es sich handelte. Der Mexikaner und Terry, die sie ihm Saloon angetroffen hatte und der Priester mit seinem Begleiter, dessen Namen sie immer noch nicht wusste. Spielte auch keine Rolle. Sie wollte gar nicht mehr weitermachen. Noemi hatte verstanden, wie das Spiel gespielt wurde. Ob dies ihr Grabmal werden würde und sie all den restlichen Saloongästen ins Totenreich folgen würden, konnte sie noch nicht sagen. Fest stand, dass ihr aller Leben in fremden Händen lag. Und allein diese würden darüber entscheiden, ob sie zu leben oder zu sterben hatten. Sie konnte einfach hier liegen bleiben und warten.
Natürlich war es gut gemeint von Terry, helfen zu wollen. Wenn das seine Absicht war. Noemi öffnete ihr dunkles Auge, aber bei diesen schwachen Lichtverhältnissen, konnte sie praktisch nichts von dem Mann sehen. Erst langsam, als sich ihre Sinne an die Dunkelheit gewöhnten, schälten sich Konturen aus der Finsternis. Ihre linke Hand tastete über eine blanke Kniescheibe.
„Ich brauche keine Hilfe“, meinte Noemi nicht unfreundlich.
Einige Sekunden verstrichen, in denen sie schwieg.
Dann ergänzte sie aber noch: „Wenn wir Teil dieses Leichenbergs werden sollen, ist es sinnlos, uns dagegen wehren. Und wenn nicht, werde ich einfach abwarten. Was als Nächstes mit uns geschieht.“
Sie schloss wieder ihr Auge und die Welt verschmolz zu völlig konturlosem Schwarz. Unter sich spürte sie totes Fleisch, Knochen und abgewetztes Leder. Noemi legte ihren Kopf auf dem Leichenfeld ab und versuchte ihre düsteren Gedanken an die Vergangenheit zu verdrängen.
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Beitrag von Umbra Sa Aug 06 2016, 16:46

Jims Magen krampfte sich zusammen. Er war eindeutig zu nüchtern dafür, mit so einer Scheiße konfrontiert zu werden. Dämonen, Geister…. Nun war er sich sicher, dass es Geister sein mussten. Dieser Leichenberg sprach für sich. Diese Menschen mussten Opfer eines grausamen Verbrechers geworden sein… oder einer Bande. Vielleicht hatte ja der Besitzer des Saloons damit zu tun. Befanden sie sich hier gerade im Keller? Diese gemauerte Kammer, die unterirdisch sein musste, sonst wäre sie nicht so kühl, schien allein für den Zweck errichtet worden zu sein, diese Überreste hier zu deponieren. Was war diesen Menschen wohl widerfahren?
Während Jim kläglich stinkende Magensäfte hervorwürgte und -hustete, konnte er hören, was Noemi von sich gab.
„Du spinnst doch, Mädchen“, urteilte Father O’Reilly schließlich schnaubend und spuckte sauren Schleim aus. Er befürchtete, dass noch mehr aus ihm herauswollen würde, also blieb er, leicht nach vorn gebeugt und sich an der Wand abstützend, dort, wo er war.
„Hätten wir Teil des Leichenbergs werden sollen, wären wir Teil den Leichenbergs. Doch wir leben… Wäre der Sturm nicht gewesen… Unser mexikanischer Freund würde nun aufgeknüpft im Saloon hängen. Die Geister scheinen nicht unbedingt feindselig zu sein, wenn man sie nicht reizt. Genauso wenig, wie der Sturm unbedingt unser Feind sein muss. Ich halte ihn nun für einen Hilferuf.“
Jim spürte immer noch das Grummeln in seinem Bauch, aber es schien langsam abzuflauen. Er konnte weitersprechen.
„Es steht nicht nur geschrieben: Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet die Gebeugten auf… Es sind nicht nur Worte in einem alten Buch. Habt Vertrauen.“
Zu allen möglichen Gelegenheiten zu predigen, war wohl eine Beruf(ung)skrankheit.
„Wir sind aus einem bestimmten Grund hier“, war Jim überzeugt.
„Seht diese… diese Schande hier doch nur einmal an.“
Zum Glück war das Licht so spärlich, dass das Meiste davon mit den Schatten verschmolz.
„Kein Wunder, dass ihre Seelen so, lieblos und brutal zurückgelassen wie Unrat, keine Ruhe finden. Wenn dies hier nicht die Hölle ist, so ist es zumindest Niemandsland. Bringen wir diesen Geistern Frieden“, schlug er vor.
„Sie haben uns darum gebeten. Die Stürme hielten uns hier an diesen Ort und brachten uns hierher, damit wir sehen. Damit wir helfen. Das erwartet man von uns. Wir müssen Sie anständig beerdigen.“
Jim hangelte sich an der Wand entlang, hin zum Gang, in dem Pezosa inzwischen vollkommen verschwunden war.
Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit, murmelte er dabei und versuchte, sich von dem Kotzanfall einigermaßen zu erholen.
Er entdeckte den Mexikaner dabei, wie dieser eine Bretterwand überprüfte, die den Ausweg zu versperren schien.
„Lass mich dir dabei helfen, den Weg freizumachen“, brummte Jim finster.

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Beitrag von Fade Sa Aug 06 2016, 18:16

El Pezosa hatte die Sätze des Padres noch bruchstückhaft verstanden aber scheinbar hatte er endlich angefangen sich ernsthaft mit dem Problem zu befassen und konnte nun unter Beweis stellen, was ein Priester Gottes in so einer Situation wert war, die wie für ihn geschaffen erschien.
Als Jim sich schließlich zu ihm gesellte und düster anknurrte, stieß Diego mit der flachen Hand fest gegen die linke Außenseite eines Brettes, welches bereits beim abklopfen Anzeichen gemacht hatte, dass die Nägel locker waren, Anstatt dem Padre zu antworten.

Der Mann hatte recht damit, dass der Sturm sie nicht umbrachte. Das er sie dabei noch Heilte war neu und gewissermaßen ein Zeichen, dass viel von dem, was ihnen hier gezeigt wurde vielleicht als Warnung zu verstehen war, als Läuterung vielleicht sogar. „Der alte Mann stand wohl nicht in der Gunst unseres Beschützers?“ Fragte Diego Jim kaum weniger finster, als dessen Stimmlage gewesen war, während er Anstalten machte das gelöste Brett mit einem laugen Krachen herauszubrechen. „Nachdem wohl inzwischen schon wieder ein Tag vergangen ist, werden wir ja vielleicht auch bald neue Opfer dieses Ortes begrüßen können. Vor uns scheint es hier zumindest niemanden ausgespuckt zu haben, der noch davon erzählen konnte, oder ist euch eine ähnliche Geschichte bekannt, Padre?“

Diego vermied es, Jim direkt anzusehen und starrte stattdessen lieber auf die Bretterwand. Ihm war mulmig zumute. Es gab bei weitem genug, wofür er zu büßen hatte und dieser Ort war mit Gewalt nicht zu überwinden. Die Toten waren wohl Zeugnis für die finsteren Begebenheiten, die hier irgendwann stattgefunden hatten, doch der abgebrühte Bandito hatte schon bei weitem schlimmeres in seinem Leben gesehen. Ob nun Krieg oder Seuchen, Not oder Überfluss. Alles davon brachte seine eigenen Dämonen hervor. Doch was hier geschah war anders. So viel anders, dass man sich nicht dagegen wehren konnte. Wenn wirklich noch niemand diesem Ort entkommen war, würden sie es wohl auch nicht schaffen, denn der Sturm stellte eine unüberwindbare Hürde dar, welche scheinbar einzig und allein über ihr Schicksal entschied.
Gegenüber einer solchen unvorstellbaren Macht war es vielleicht eine gute Gelegenheit, zum Schöpfer zu beten, doch auch der Padre schien noch ein anderes Ziel vor Augen zu haben, anstatt Gesten der Demut zu zeigen.
Mit dem gelösten Brett war es ein leichtes, die übrigen Planken aufzustemmen und den Zugang zum Nebenraum hin freizuräumen. Die erkennbare Treppe deutete nach oben und von den Abmessungen war es leicht denkbar, dass sie sich tatsächlich gerade unter dem Saloon befanden, wo sie ja eigentlich vor kurzem noch hin gewollt hatten. „Was sollen wir tun, wenn der Raum mit den Leichen der Ort ist, den uns der Zauberkasten gewiesen hat, Padre? Sollen wir vielleicht alles anzünden? Wird der Geist uns dann gehen lassen?“

Pezosa fühlte seine wachsende Nervosität. Die Anderen waren genau so ratlos wie er und gerade beim Padre war er sich unschlüssig ob man ihn hier das Kommando anvertrauen sollte. Diego glaubte an Gott, so wie er auch an böse Geister glaubte doch war Gott zumeist nicht da, wenn Menschen handelte. Er hatte schon Kirchen brennen und Familien im Sand liegen sehen und was der Padre mit dem Alten tat, während dieser an seinem eigenen Blut erstickte, hatte seine Meinung darüber auch nicht beeinträchtigt. Alles in allem war es wohl zumindest vernünftiger, irgendwem den Vortritt zu lassen, wenn das Aussieben nach dem alten Kautz nun doch weitergehen sollte. Vielleicht bedeutete die Heilung ihrer Wunden ja eine neue Runde im Pokerspiel der bösen Geister.

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Beitrag von Leo Mi Aug 10 2016, 02:36

Oh Mann, ey …“ Terry war überfordert. Anders konnte man es nicht sagen. Ein riesiger Haufen Leichen, megaeklig … und als wäre das noch nicht genug, nun noch ein bockiges, einäugiges Mädchen. Was bei allen heiligen Pferdeäpfeln sollte das?!
Aber machte es Sinn, jetzt so ein blödes Gespräch anzufangen? Bestimmt nicht. Er hätte Noemi gern noch einen verzweifelten Blick zugeworfen, aber Mexikaner-Pancho hatte das Licht mitgenommen, also war es eh dunkel um sie rum. Zu sehen war nur der Gang, in dem sich der Rest der Truppe nun traf, kotzte und von Geistern faselte. Geister … wäre er nicht schon gefühlt tausendmal aufgewacht, hätte er jetzt geglaubt, das jeden Moment tun zu müssen. Am besten nach ner durchzechten Nacht – nur nach sowas konnte man so bescheuerte Träume kriegen … „Na, wenn du dann wieder mitdenkst – weißt ja, wo ich bin … nein, wo wir alle sind“, ergänzte er, in der mutlosen Hoffnung, Noemi so doch bewegt zu kriegen.
Klappte natürlich nicht. Terrys Ohrring klimperte leise, als er sich ratlos hinterm Ohr kratzte. Mit hängenden Schultern machte er sich auf den Weg in den Brettergang.
El Mistkerlo hatte sich nun auf genau das gestürzt, was er scheinbar am besten konnte – rohe Gewalt. Nach und nach hebelte er Bretter weg. Terry überlegte, ob er helfen sollte, entschied sich aber dagegen, mindestens, um den Mexikaner zu ärgern. Stattdessen lehnte er sich unproduktiv gegen die Wand und sah zu, während er sich Dreck von den Fingernägeln kratzte. Außerdem war ihm eh schlecht, und der Kotzegeruch – verdammter Prügelpriester – im Gang machte das nicht besser. Ürks … vielleicht war Noemis Idee, nicht hierherzugehen, doch nicht so mies. Was jedenfalls mies war, war, dass sein eigener Magen nun auch rebellierte. Noch konnte er sich zwar beherrschen, aber wenn das hier so ekelhaft weiterging, konnte er für nix garantieren.
Alles abfackeln, klasse Idee“, murrte er leise, aber dem Mexikaner offen zu widersprechen wagte er nicht. Trotzdem … das war doch Scheißkram. Klar, dass von Banditen-Pancho so ne Zerstörungsidee kam … Er hätte gern selbst überlegt, was sie nun tun könnten, aber sein Gehirn konnte gerade nur an Magenkrampf! denken, und Ideen hatte er sowieso keine. Begraben … oder so … aber das wäre ne ganz schöne Schlepperei. Und Buddelei. Und überhaupt.
Kacke … er wollte hier raus!

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Beitrag von Elli Mi Aug 10 2016, 16:26

Dayton hatte sich weitestgehend etwas beruhigen können. Dennoch war die Situation ein großer Haufen Scheiße. In einem großen Haufen Leichen.
Die Idee des Abfacklens fand er gar nicht so schlecht. "Feuer finde  ich eine gute Idee. Aber nur wenn wir dann weit genug entfernt sind."
Er blickte auf den ein odere anderen Schädel die ihn diabolisch anzugrinsen. Von seiner Familie war sicher nicht viel mehr übrig geblieben. Er war sich nicht einmal sicher, ob sie ein Begräbnis erhalten hatten. Vielleicht hatte seine Großmutter ihnen auch eine indianische Bestattung zu Teil werden lassen. Nur so konnte Seele und Geist frei sein nach dem Tod.
Er schüttelte den Kopf und zog ärgerlich seine Oberlippe nach oben.
"Kommen wir da bei euch raus, Pfaffe?" rief er zu Jim herüber.
Trotz allem wollte er noch einmal schauen, ob er nicht noch andere Hinweise finden würde, die ihn weiterbringen würden.

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Beitrag von Umbra Fr Aug 12 2016, 20:02

Jim ging dem Mexikaner dabei zur Hand, die Bretter zu entfernen, um den Ausgang aus diesem diabolischen Massengrab freizulegen. Der Magen des Priesters grummelte immer noch bedenklich. Es war weniger der Geruch, der ihn anekelte – es roch komischerweise tatsächlich eher weniger nach Verwesung; es war eher die Vorstellung, welch Grausamkeiten sich hier abgespielt haben mussten, dass die Toten keinen Frieden fanden.
„Ich habe von diesem Ort noch nie zuvor gehört“, antwortete Jim dem Mexikaner leise. Er wollte seine Gedanken zu diesem Ort nicht zu laut verkünden. Möglicherweise würden sie zu demoralisierend auf alle anderen wirken.
„Wenn ihn je jemand lebend verlassen hätte, wüssten wir sicher davon“, schätzte er nämlich. Gerüchte über einen möglicherweise verfluchten Geistersaloon, der Reisende nicht weiterziehen ließ, hätten sich bestimmt wie ein Lauffeuer im Westen verbreitet.
Das bedeutete jedoch nicht, dass sie alle Hoffnung fahrenlassen sollten. Immerhin bestand die Möglichkeit, diesen Ort und sie selbst zu befreien, indem man den rastlosen Seelen etwas Gutes tat.
Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, murmelte Jim, während er, zusammen mit Pezosa, an den letzten Brettern riss.
Jedoch erhob er seine Stimme, um den Feuerplänen der anderen entsetzt und entschieden zu widersprechen:
„Nein, wir verbrennen sie nicht“, stellte Jim klar.
„Wir sind doch keine Barbaren! Ihre Seelen kommen ohnehin nicht zur Ruhe, weil sie nicht würdevoll bestattet wurden… das ist doch offensichtlich. Den Saloon können wir zur Sicherheit anzünden – nachdem wir die Leichname angemessen beerdigt haben“, betonte Jim knurrend.
„Andernfalls würden wir ihnen endgültig die Chance auf Wiederauferstehung rauben, sobald der Jüngste Tag gekommen ist.“
Die Toten verbrannte man genau aus diesem Grund nicht. Kein Christ sollte das auch nur in Erwägung ziehen. Das war ein heidnischer Brauch.
„Ich werde ihre sterblichen Überreste und ihre Gräber segnen und eine Begräbnisfeier abhalten“, hatte Father O’Reilly stattdessen beschlossen.
„Ich hoffe, das wird diesen Spuk brechen.“
Als der Mexikaner das letzte Brett entfernte, musste Jim von der Staubwolke, die davon in der Luft verteilt wurde, husten. Er hob die Laterne vom Boden auf.
„Hier scheint es in der Tat rauszugehen“, informierte Jim die anderen hinter sich und Pezosa krächzend. Im Schein des Lichtes – von dem Dayton eindeutig zu wenig abgekam, als dass er etwas Nützliches hätte erkennen können[1] – fiel auf verstaubte Kisten und Regale.
„Eine Art Lagerraum“, deutete Jim das, was sich ihm offenbarte. „Ich glaube, er gehört zum Saloon.“
Flaschenregale waren hier überall – sogar noch teils befüllt. Eine innere Kraft drängte Jim dazu, sich zu bedienen und volllaufen zu lassen. Die schrecklichen Bilder einfach fortzuspülen…
Später, ermahnte er sich innerlich.
Stattdessen stapfte er die Treppe hinauf und ergriff den schweren, metallenen Ring der Luke, hinter der Freiheit warten könnte. Die Falltür war schwer, ließ sie aber, unter Knarzen und Knarren, bewegen und schließlich vollkommen öffnen.
Auf der anderen Seite wartete dämmriges Tageslicht und eine hölzerne Umgebung: der Saloon.
Jim erkannte sofort, dass die Bar sich noch dort befand, wo sie hingehörte… genauso wie die Treppe, der Kronleuchter… der Barmann. Einsam hallende Musik und einige, murmelnde Stimmen...
Als hätte es den letzten Sturm nicht gegeben. Allerdings war der Saloon offenbar, im Gegensatz zu vorher, nun fast menschenleer. Dex döste auf dem Stuhl an der Treppe; drei Männer spielten Karten an einem Tisch in der Ecke, wo sie von einer Saloondame in schäbigem Kleid umgarnt wurden; ein einsamer, graubärtiger Kauz hockte über seinem Glas an der Bar... und der Barmann beschäftigte sich damit, mit einem schmutzigen Lappen eher Dreck in Gläsern zu verschmieren, statt sie zu polieren. Eine gealterte Saloondame klimperte eine eher melancholisch klingende Melodie auf dem Piano.
Keiner von ihnen beachtete Jim und die anderen. Vielmehr schienen sie sie gar nicht zu bemerken.

[1] Eine 1 auf Wahrnehmung reicht unter diesen Bedingungen definitiv nicht. Um dir alles genauer anzusehen, brauchst du Licht.

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Beitrag von Fade Sa Aug 13 2016, 12:20

Die Worte von Padre Jim beruhigten den Mexikaner etwas. Er schien zu wissen was zu tun war und es machte sogar Sinn. Natürlich würde es nichts bringen den Saloon anzuzünden, wenn er sich nach belieben auf und abbauen konnte, aber die ganzen Leichen zu bestatten klang wiederum nach einem Haufen Arbeit.
Auch Pezosa betrat nach dem Padre den Lagerraum, der wirklich verdächtig nach Saloonkeller aussah und hängte die Lampe an einen Haken an der Decke, welcher auch dafür bestimmt war. Er ging schnurstracks zu einem der Flaschenregale und zog mit feucht schimmernden Augen eine Flasche Tequilla heraus.
Mit der Beute in der Hand folgte er dem Padre die Treppe hinauf und blickte ihm über die Schulter, als dieser die Falltür öffnete. Obwohl die Geister auf sie nicht reagierten, schrillten beim Mexikaner beim Anblick des friedlich intakten Saloons die Alarmglocken und er zog Jim an der Schulter wieder hinab in den Keller. „Eh, Padre.“ Rief er mit gedämpfter Stimme, was mehr als ausreichend war, da er Jim immer noch an der Schulter hielt, während er sich nach den anderen hier unten umsah. „Wenn die Toten hier unten echt sind und der Tequilla hier unten echt ist.....“ Mit dem Daumen wischte er über den Staub auf der Flasche, welche sich einfach gut und Trost spendend in seiner Hand anfühlte. „... und wir wissen, dass das dort oben nicht echt ist.“

El Pezosa zögerte kurz, da er selbst überlegen musste ob die Gedanken die ihm gekommen waren so richtig sein konnten. „Wir sollten uns gut überlegen, was wir dort oben wollen, denn dort oben droht uns auch wieder der Wind. Die Geister werden uns bestimmt nicht erlauben, ihre Knochen von hier fort zu tragen oder was meint ihr?“
Da für die Geister im Moment wohl die gleichen Regeln galten wie für sie selbst, machten Diego die wenigen Gesichter im Saloon keine Kopfschmerzen, jedoch war der Rest dann wahrscheinlich über die ganze Geisterstadt verteilt und wie würden sie schon reagieren, wenn man ihre eigenen Gebeine an ihnen vorbei schaffen wollte?
Während er auf Antworten wartete, begann er sich in den Ecken des Lagers nach Schaufeln umzusehen. Es war wenig Platz hier, um alle Toten zu verscharren, aber Knochen für sich nahmen auch nicht so viel Platz ein und spätestens seit ihrem Nickerchen würde wohl nicht jedes Skelett hier mehr vollständig zuzuordnen sein.
„Meint ihr es würde genügen, die Knochen hier unten zu begraben?“

El Pezosa sprach es nicht aus, aber der Umstand, dass die Öllampe bei ihnen gestanden hatte, anstatt im Lager zu hängen und dass sie überhaupt brannte, sprach dafür, dass sie jemand ganz bewusst für sie dort abgestellt haben mochte. Etwas, was doch wieder sehr nach einem Trick wirkte und da die Geister diesmal zugegen waren, wenn auch nicht hier im Keller, brannte die Frage lichterloh, wer hier was bewegte.
„Was würde wohl geschehen, wenn wir den Wirt hier herunter zu seiner eigenen Leiche zerren würden?“ Dachte El Pezosa nun laut nach.

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No Man's Land - Teil I: Der raue Westen - Seite 8 Empty Re: No Man's Land - Teil I: Der raue Westen

Beitrag von Umbra So Aug 21 2016, 19:49

Jim sah, noch auf den oberen Treppenstufen stehend, auf den Mexikaner herab, während dieser seine Gedanken mit ihm teilte. Father O’Reilly verstand die Bedenken, er konnte sie gut nachvollziehen, aber er ahnte, dass eine halbherzige Vorgehensweise genauso wenig helfen wurde, wie gar nichts zu tun.
„Das Problem ist, dass wir nicht wissen, was echt ist, und was nicht“, erwiderte Jim. Er vermochte es wirklich nicht zu sagen. Vielleicht war der Saloon eine Illusion, vielleicht auch der Kellerverschlag mit den Leichen, vielleicht war beides real oder nur eins davon.
„Ich weiß auch nicht, wie die Geister reagieren werden, sollten wir die Leichname nach oben schaffen“, musste er zugeben. „Das lässt sich nur auf eine Weise herausfinden… Vielleicht merken sie es gar nicht, uns haben sie gerade auch nicht wahrgenommen. Ich fürchte, wir müssen es versuchen, um ganz sicher zu gehen. Die Toten in einem Keller zu verscharren, selbst mit Totenfeier, klingt für mich nicht gerade respekterweisend. Außerdem befindet sich meine Schaufel auf meinem Karren.“
Irgendwo dort oben musste er noch sein… hoffte Jim. Sein Karren, sein Gaul und Moses. Er hoffte, seinen Tieren war nichts geschehen, denn er hing ziemlich an seinen Begleitern. Sie waren stumme, nützliche Gefährten. Treu – nicht hinterlistig, wie ein Mensch es wäre. Nun ja, das Pferd war ein Pferd. Aber Moses war seinem Herrn ergeben und Jim war dem Herrn ergeben. Sie waren ein gutes Team.
„Mit den Händen können wir kaum graben…“, schätzte Jim und betrachtete skeptisch sowohl den plattgetretenen Erdboden, als auch die Gegenstände hier im Lagerraum, „und andere, improvisierte Behelfsmittel sind ein wenig unpraktisch.“
Bretter gab es hier genug… Doch das wäre eine Schinderei. Schaufeln, Hacken oder so etwas in der Art, gab es hier leider nicht.[1]


[1] Die Chance, Grabgeräte hier zu finden, lag bei 30%.

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